Wednesday, January 11, 2006

2.ESSAY
STRUKTURALISMUS
Definition Strukturalismus:
„Strukturalismus ist eine Forschungsmethode der Geisteswissenschaften, besonders der Linguistik, Literaturwissenschaft, der Psychoanalyse, der Soziologie und der Psychologie. Der Strukturalismus beruht auf der Grundannahme, dass Phänomene nicht isoliert auftreten, sondern in Verbindung mit anderen Phänomenen stehen. Diese Verbindungen gilt es aufzudecken; genauer gesagt bilden die Phänomene einen strukturierten (strukturierbaren) Zusammenhang. Dabei wird die Struktur jedoch durch den Beobachter in einem Modell konstruiert. Die Struktur existiert also nicht auf der Ebene der Wirklichkeit, sondern nur auf der Ebene des Modells.“[1]Hauptbegründer des Strukturalismus war der Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure, im 20. Jahrhundert.

Biographie von Claude Lévi –Strauss:
Der heute bereits über 90jährige Anthropologe, wurde als Vertreter der französischen Anthropologie, vor allem mit seinem a)Prinzip des universellen Denkens, b)Mythenanalyse und seinem c)Verwandtschaftssystem berühmt.
Claude Levi Strauss studierte Soziologie und Rechtswissenschaften in Paris.
In Verbindung mit seiner Lehrtätigkeit an der Universität in Sao Paulo, unternahm er von 1935 bis 1938 anthropologische Forschungen im Amazonasgebiet.
Claude Levi Strauss wird, als nicht allzu großer Fan der Feldforschung[2] von vielen Autoren als armchair-Anthropologe eingestuft.[3]
Vor dem 2. Weltkrieg kehrte Strauss wieder nach Frankreich zurück und widmete sich dem Militärdienst. Das darauf folgende Jahr unterrichtete er an der School For Social Research.
Mit seinen Kollegen Henri Focillon, Jaques Maritain und anderen, gründete er die École Libre Des Hautes Études De New York.
Nach vielen weiteren angesehenen Posten, sowohl in Frankreich, als auch in Amerika, unterrichte er letztendlich bis zu seiner Pensionierung am Collège de France.

Lévi-Strauss’ Gedanke von Struktur setzt sich zum einen, aus einer konstanten, universell gültigen Komponente („the nature of relations“) und zum anderen, aus den daraus entstehenden, unterschiedlichen (von Kulturen abhängige) Umsetzungen („the content of relations“) zusammen.
Anhand dieser allgemein geltenden Strukturen lassen sich die verschiedenen Kulturen vergleichen. Als Erklärungsmodell seiner Strukturen stützte sich Strauss auf Ferdinand de Saussures Bedeutung von Grammatik und Rede. Die Regeln der Grammatik formen die Sprache und ermöglichen die Abfolge von Ausdrücken. Wobei die Ausdrücke zeit und kultur- abhängig sind und die Grammatik, als System der Sprache, allgemeingültig ist. Wichtig zu erwähnen, ist auch, dass die strukturell festgelegte Grammatik erst durch die Verwendung der Worte( Ausdrücke) erklärbar wird. Somit werden, laut Lévi-Strauss, die allgemeingültigen Strukturen des Lebens nur durch die unterschiedlichen Umsetzungen (kulturabhängig) derer sichtbar.[4] Die Struktur bestimmter Dinge (wie Sprache) ist in den Köpfen der Menschen und unsichtbar, nur durch die praktischen Ausführungen dieser Ideen, kann man die allgemeingültige Theorie ableiten.

Ad a) Nach Strauss’ Denkprinzip beruht alles menschliche Denken auf Binarität. Das so genannte Denken in Gegensatzpaaren (schwarz- weiß, heiß- kalt).
Lévi-Strauss erklärte seine Strukturen des menschlichen Denkens, auf Grund der einheitlichen Physiologie des menschlichen Gehirns, als universell gültig. Somit stammen alle Menschen von einer Spezies ab.
Lévi-Strauss geht vom Gegensatzpaar Natur-Kultur aus, mit dem er sich die Struktur des menschlichen Lebens erklärt.[5]
Der Soziologe zeigt anhand des Inzesttabus die Berührungspunkte von Natur und Kultur auf. Er beschreibt das Tabu selbst, als universell gültig und somit kann es als natürlich (biologisch festgelegt) angesehen werden. Die, in der Praxis umgesetzten Regeln des Tabus, variieren jedoch in den Kulturen. (die Umsetzung des Tabus ist also kulturabhängig.)
Wieder wird das universale Inzesttabu, erst durch die unterschiedlich praktizierten Heiratserlaubnisse bzw. Verbote der Kulturen sichtbar.[6]

Ad b) Die Mythenerzählungen unterliegen ebenfalls einer bestimmten Struktur. Die Mythen setzen sich aus unterschiedlichen Einheiten( variieren in den Kulturen) zusammen, welche definierten Regeln( Strukturen) unterliegen, durch die Gegensatz- Beziehung zwischen den Einheiten und den Regeln, werden wiederum die menschlichen Denkstrukturen sichtbar.[7]
Mythen basieren auf sprachlichen Metaphern und repräsentieren das wirkliche Leben. Dieses erliegt in den Mythen meist einer umgekehrten Darstellung. Durch die Aufschlüsselung dieser verfälschten Beschreibung, gelangt man jedoch zur Realität und somit wieder zu den Strukturen der menschlichen Denkmuster.[8]
Nach Lévi-Strauss berufen sich die Mythen auf ein bestimmtes Schema. Weiteres geht er davon aus, dass in jeder Gesellschaft mythisches Denken existiert, welches konkrete Analogien mit sich bringt.
Lévi-Strauss hat viele Ähnlichkeiten der Mythenerzählungen in Süd- und Nordamerika entdeckt. Es handle sich um dieselben Grundthemen, die Mythenerzählungen weisen nur kleine, kulturellbedingte Unterschiede( nackt- bekleidet; roh- gekocht), in den süd- und nordamerikanischen Gesellschaften auf. Wobei sich die Mythenerzählungen, vor allem durch die orale Übermittlung, im Laufe der Zeit verändern.[9]

Ad c) Strauss’ Theorie von Verwandtschaft bezieht sich kaum auf die Herkunft der Menschen, sondern leitet sich von den Heiratsbestimmungen ab. Lévi-Strauss kritisierte den beschränkten, britischen Ethnozentrismus, der in der NS-Zeit die Basis für den großen Missbrauch an vielen Menschen darstellte. Ihn interessierte viel mehr, wie Verwandtschaft neu geschaffen wird, ohne besonderes Augenmerk auf die Herkunft zu legen. Dazu bezieht er sich auf die Annahme der Existenz von 2 verschiedenen Arten von Gesellschaftsordnung. Die eine Gruppe „verbietet“ Heiraten, dies meint die Heiratsmöglichkeiten sind streng limitiert (für CousInen und Stieftöchter/söhne gilt ein Heiratsverbot). Außerdem empfiehlt die Gesellschaft aus welcher Gruppe geheiratet werden soll. Im Gegensatz dazu, vertritt die andere Gesellschaftsgruppe, das Prinzip des „komplexen Heiraten“, die Möglichkeit „kreuz und quer“ zu heiraten. Trotz der großen Heiratsfreiheiten in der zweiten Gesellschaftsgruppe, besitzen beide Gesellschaftsarten ein Inzesttabu, welches das Heiraten im engen Kern der Familie untersagt.
Lévi-Strauss ging von sozialen Banden aus, wenn er von Gesellschaften sprach. Diese sozialen Banden organisieren sich, durch ihre unterschiedlichen Heiratssysteme. Genauer gesagt, beruhen alle Verwandtschaften, auf dem komplexen oder empfohlenen Frauentausch, beziehungsweise dem exogamen und endogamen Tausch der Frauen.[10]

Kritik:
Die wohl am häufigsten vorkommende Kritik an Lévi-Strauss, bezieht sich auf seine mangelhaft ausgeführten Feldforschung. Er wäre nicht ausreichend auf die Gesellschaften eingegangen, da er die Sprache nicht lernte und sich nur kurze Zeit am Feld aufhielt.
Lévi-Strauss wird von vielen Autoren als „armchair- anthropologist“ bezeichnet, wodurch seine These des universellen Denkmusters in Frage gestellt wird, da viele seiner Analysen auf Materialien aus zweiter Hand beruhen.[11]
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft seine Theorie vom binären Denken, nach der, das menschliche Denken dualistisch ausgelegt ist, wodurch Lévi-Strauss den Menschen, die Fähigkeit des vernetzten Denkens (Denken in Verbindungen) abschlägt. Weiters wird Kritik an Strauss’ einseitiger Vorstellung von sozialer Organisation ausgeübt. Nach Lévi-Strauss organisieren, allein die Männer, das soziale System in der Gesellschaft, indem sie die Frauen tauschen. Durch diese Annahme, werden die Frauen völlig diskriminiert und haben nur eine nebensächliche Bedeutung in der Gesellschaft.[12]

Lévi-Strauss’ Einfluss auf die Anthropologie:
Der Soziologe gilt als der Begründer der französischen Anthropologie, welche im Kontrast zur britischen Anthropologie stand. Sein Gedanke vom Strukturalismus, welcher die universelle Ähnlichkeit der Menschheit aufzeigen sollte, war seine Antwort, auf die eurozentristisch ausgerichtete britische Anthropologie.
Erst in den 60ern wurden seine Ideen ins Englische übersetzt, dadurch fanden seine Theorien erstmals im französischen Sprachraum Anerkennung. Lévi-Strauss’ Strukturalismus beeinflusste viele Anthropologen. Darunter waren Michael Foucault, Jaques Derrida und Louis Dumount, welche den Poststrukturalismus begründeten.[13]
Heute wird Lévi-Strauss’ Einheitstheorie, vor allem in Bezug auf die Globalisierung ( durch die immer stärker werdenden Grenzüberschreitungen entsteht, bis zu einem gewissen Grad, ein Verschmelzen der Kulturen) diskutiert.



[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturalismus
[2] in seinem Werk „Tristes Tropes“ beschreibt er seinen Groll gegen die Feldforschung und Reisende
[3] vgl. PARKIN, Robert: p. 209
[4] PARKIN: p.210
[5] GINGRICH: Geschichte-VO. am 11.01.2006
[6] PARKIN: p.212
[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Levi-Strauss
[8] Vgl. PARKIN: p.213
[9] GINGRICH: Geschichte- VO am 11.01.2006
[10] GINGRICH: 11.01.2006
[11] http://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Levi-Strauss
[12] GINGRICH: 11.01.2006
[13] Weblog: Sabrina Schoderbeck

Tuesday, November 22, 2005

ESSAY

2.) Funktionalismus: Welche Hauptfragen und- anliegen kennzeichnen den Funktionalismus
eines Malinowski oder den Strukturfunktionalismus eines Radcliffe-Brown ?
Diskutiere die Beiträge in Theorie und Methode, die die beiden Grundfiguren der britischen
Anthropologie in die Wissenschaftstradition einbrachten.

Um näher auf die Frage einzugehen möchte ich einen kurzen Einblick in das Leben der beiden Anthropologen geben. Bronislaw Malinowski wurde 1884 in Krakau geboren und starb 1942 in New Haven.Der britischer Sozialanthropologe galt außerdem als Begründer des britischen Funktionalismus. Auf seine Theorie möchte ich später genauer eingehen. Zu seiner Ausbildung ist zu erwähnen, dass er zuerst seinen Abschluss in den Fächern Mathematik, Physik und Philosophie machte, bevor er an der London School of Economics (LSE) Anthropologie studierte. Von 1922-1938 lehrte er selbst an der LSE. Um die Beziehung zu seinem Zeitkollegen Alfred Reginald Radcliffe-Brown zu beschreiben, ist wichtig zu erwähnen, dass die beiden in einem ständigen wissenschaftlichen „Wettstreit“ zueinander standen. Im Gegensatz zu Radcliffe- Brown galt Malinowski als extrovertiert und veröffentlichte gerne seine Werke. Eines seiner wichtigsten Werke ist „Argonauten des westlichen Pazifiks“, das 1922 veröffentlicht wurde. Mit diesem Werk hat Malinowski einen wichtigen Meilenstein in der Anthropologie gelegt. Die Wurzeln der besagten Feldforschung liegen in dem Werk über die Trobriand-Inseln. Somit wird Malinowski auch als Vater der Feldforschung bezeichnet. Zu verdanken haben wir diese Erkenntnis Malinowskis unter anderem seiner„Zwangsaufhaltung“ auf den Trobriand- Inseln, zu Beginn des 1. Weltkrieges. Dreieinhalb Jahre verbrachte er mit der Erforschung der Trobriander. In seinem Buch beschreibt er zuerst die Methode der Feldforschung, die durch teilnehmende Beobachtung charakterisiert ist. Dies bedeutet, dass der Forscher über einen langen Zeitraum mit den zu erforschenden Personen lebt, er lernt die Sprache und versucht sich in den Alltag der Gesellschaft zu integrieren. Man unterscheidet zwischen direkter Beobachtung und indirekter Beobachtung, wobei bei der direkten Beobachtung das Verhalten der Menschen im Mittelpunkt steht und bei der indirekten die Auswirkungen bestimmten menschlichen Verhaltens unter die Lupe genommen wird. Weiters gibt Malinowskis „Argonauten des westlichen Pazifiks“ Aufschluss über die geografische Lage der Trobriand- Inseln und außerdem enthält es persönliche Erzählungen über seine Ankunft auf der Insel. Malinowski befasst sich unter anderem mit dem Phänomen des „Kula-Tausches“ der Trobriander,er macht damit Anspielungen auf Radcliffes verallgemeinernde Theorie und betont die Gefahr des Eurozentrismus. Ihm ist wichtig eine Kultur von „innen heraus“ zu beschreiben, möglichst objektiv, aus der Perspektive der jeweiligen Kultur. Ich denke, dass diese Erkenntnis ebenfalls unverzichtbar für die Anthropologie ist und zeigt, dass jede AnthropologIn behutsam mit der Analyse von Kulturen umzugehen hat und bei der Interpretation nicht der Versuchung der Verallgemeinerung zu verfallen, da diese das Bild der Kulturen verzehren bzw. in ein falsches Licht rücken kann.
Malinowskis Theorie des Funktionalismus zeigt auch, dass er sich auf die individuelle Zusammensetzung einer Kultur konzentriert hat. Laut Malinowski wird Kultur durch die (Grund)Bedürfnisse der Individuen einer Gesellschaft geschaffen. Es handelt sich um bestimmte physiologische Bedürfnisse, wie Ernährung, Fortpflanzung, Unterkunft und Sicherheit vor Feinden, die durch Kultur befriedigt werden. Weiter „basic needs“ beruhen darauf, ökonomisch zu sein, soziale Kontrolle zu haben, Bildung zu erfahren und das Vorhandensein politischer Organisation. Die Kultur der jeweiligen Völker kann durch die Funktionen, die sie ausübt, erklärt werden. Zusammenfassend, diese Funktionen einer Kultur werden ausgeführt, um die physiologischen und kulturellen Bestandteile einer Gesellschaft zu befriedigen.
Vergleichend möchte ich nun auf das Leben und die Theorien Radcliffes eingehen.
Alfred Radcliffe- Brown wurde 1881 in Birmingham geboren und starb 1955 in London.
In seiner Jugendzeit war er aktiver Anarchist, was sich später auch auf seine Theorien bzw. seine Vorstellungen vom Funktionieren einer Gesellschaft auswirkte. Radcliffe absolvierte ein Psychologie und Ökonomie Studium und lehrte in seinem Leben an verschiedenen Universitäten. Wie Malinowski betrieb auch er Feldforschungen. Er beschäftigte sich mit Gesellschaften der Andaman- Inseln und später mit verschiedenen Stämmen Westaustraliens. Wobei seine erste Feldforschung wenig Erfolg hatte, bereitete ihm sein zweites Werk „Three Tribes of Western Australia“ Erkenntnisse für all seine folgenden Arbeiten über die soziale Organisation in Australien. 1931 erschien das Buch „ The Social Organization of Australian Tribes“. Mit diesem Werk konnte er seine Theorie von einer "systematisch abgeklärten vergleichenden Analysen einer typischen Klasse von Gesellschaften" darstellen.
Frederik, Barth(2005:24).
Radcliffe beschäftigte sich mit der zentralen Fragen ob und vor allem wie Menschen ohne zentraler Herrschaft über einem Staat leben können. Radcliffe-Brown wurde von Emile Durkheim, Thomas Hobbes und Jean Jaques Rousseau beeinflusst. Er fokussierte sich auf Herrschaftssysteme und Organisationsformen nicht-industrieller Gesellschaften, wie zum Beispiel Jäger- und Sammler Gruppen, Ackerbauern und Nomadengesellschaften.
Er berief sich dabei auf Rousseaus Ansätze, der davon ausgeht, dass der Mensch von Grund auf gut ist und demzufolge vertritt Radcliffe den Standpunkt, dass Gesellschaften gut ohne zentraler Macht auskommen können, wenn sie sich an geschlossene Vereinbarungen halten.
In Radcliffes Strukturfunktionalismus rücken, an Stelle des regierenden Staates, die Institutionen als Schlüssel zum Erhalt globaler und sozialer Ordnung der Gesellschaft.
Er legte fest, dass die variierenden Aspekte einer Kultur existieren, um die Gesellschaft in einem Staat zusammenzuhalten. Die Gesellschaft ist in seinen Augen ein System von Beziehungen, die durch kybernetisches Feedback, d.h. durch Rückkoppelung der Informationen einer Gesellschaft, einen Zusammenhalt erzeugen. Dabei berief er sich nur auf die gegenwärtige Lage einer Gesellschaft und untersuchte wie Bräuche zur sozialen Ordnung beitragen, aber nahm keine Rücksicht auf historische Veränderungen einer Kultur. Laut Radcliffe-Brown ist für die Erläuterung einer Kultur nur der Jetzt-Zustand notwendig, alles Vergangene hat zwar zur Entwicklung der Gesellschaft beigetragen, der Zweck, die Funktionen bestimmten Verhaltens einer Kultur ( z.b.bezogen auf Bräuche) haben sich jedoch verändert und können auch nur durch das Beobachten in der Gegenwart erklärt werden.
Kritiker werfen Radcliffe vor, die Einflüsse der Kolonialzeit auf die verschiedenen Kulturen nicht beachtet zu haben.
Weitere Kritik an Radcliffe bezieht sich auf die Undefinierbarkeit der Grenzen seines Systems. Nur das System selbst kann bestimmen wo es anfängt bzw. aufhört. Das System wird als selbst bestimmend betrachtet und kann nur selbst erläutern wann Veränderungen eintreten. Diese „Selbstreferenz“ wurde in den 40/50er Jahren noch nicht anerkannt und deshalb stark in Frage gestellt, da man die Gesellschaft somit nicht „planen“ konnte. Anderer Kritikpunkt, wie weiter oben im Text bereits erwähnt, war die Tatsache, das Individuen keine Bedeutung in Radcliffes System hatte und außerdem eine bestimmte Kultur auf alle Gesellschaften übertragen werden kann.
Zusammenfassend ist zu Malinowski und Radcliffe-Brown zu sagen, dass sie als wichtige Akteure der Sozialanthropologie verschiedene Ansichten in den Raum stellten, die der Anthropologie einige Erkenntnisse brachte, die noch heute diskutiert werden. Unumstritten ist wohl die von Malinowski eingeführte Feldforschung und die damit verbundene teilnehmende Beobachtung, die vor allem auch in der psychologischen Forschung eine wichtige Rolle spielt. Radcliffes Ansätze der bis heute geltenden Systemanalyse ist besonders in der heutigen Soziologie vertreten, im Unterschied zu Radcliffes Methode, wird heute die geschichtliche Perspektive zur Analyse von Systemtheorien mit einbezogen.
Bronislow Malinowski und Alfred Radcliffe-Brown, beide gelten als Begründer der britischen Gegenwartsanthropologie. Sie haben relativ ähnliche Ansichten, die sich in ihrer gemeinsamen Theorie, dem Funktionalismus widerspiegeln. Auch wenn beide harter Kritik unterzogen wurden und werden, Malinowski auf Grund seiner „rassistischen“ Äußerungen über die Trobriander in seinen Tagebücher und Radcliffe auf Grund der mangelhaften Systemanalyse, haben sie beide, unserem Fach zu einigen Fortschritten verholfen.

Quellen: One way, four disciplines- Frederik, Barth( 2005)
Vorlesung “Einführung in die Geschichte der Kultur -und Sozialanthropologie von
Professor Andre,Gingrich (23.11.2005)
Links: http://de.wikipedia.org